Historie des Geschichts- und Altertumsvereins Hofheim

Die Wurzeln des Hofheimer Geschichts- und Altertumsvereins liegen im 19. Jahrhundert. Den Anstoß zur Gründung von Geschichtsvereinen in Deutschland gab Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom Stein im Jahre 1819 durch die Gründung der „Gesellschaft für ältere Deutsche Geschichtskunde“. Freiherr vom Stein forderte dazu auf, Vereine zwecks Nachforschungen zur Geschichte der engeren Heimat zu gründen. So bildeten sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Vereine mit dieser und ähnlicher Zielsetzung. In Hofheim wurde 1875 von Dr. Friedrich Wilhelm Grandhomme der Verschönerungsverein gegründet, der mit dem bereits 1872 ebenfalls von Dr. Grandhomme gegründeten Taunus-Club Hofheim gemeinsame Ziele verfolgte, dabei auch gelegentlich unter dem Namen Taunusklub-Verschönerungsverein auftrat. Innerhalb dieses Vereins existierte bereits eine Gruppe heimatgeschichtlich interessierter Mitglieder, die Kontakt zu den am Kapellenberg und auf dem Hochfeld auf den Spuren der steinzeitlichen Besiedlung sowie der Römerzeit forschenden Archäologen, insbesondere zu Carl August von Cohausen, Dr. Georg Wolff und Dr. Emil Ritterling, pflegten. Ob diese Gruppe sich auch zu einem eigenen Verein zusammenschloss, kann urkundlich nicht belegt werden, da entsprechende Unterlagen nicht mehr auffindbar sind, wird jedoch angesichts der weiteren Entwicklung angenommen.

Aus dem Personenkreis dieser „Männer der ersten Stunde“ entstand schließlich 1926 die „Ortsgruppe Hofheim“ des „Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung“ (gegründet bereits 1812 in Wiesbaden). Alle konstituierenden Mitglieder der Ortsgruppe Hofheim waren auch Mitglieder im früheren Verschönerungsverein. Wichtige Impulse gingen dabei von dem Rektor Peter Kunz sowie vor allem auch dem Chemiker Dr. Albert Blank, dem Ersten Vorsitzenden der „Ortsgruppe Hofheim“, aus. Er half u.a. bei der Herausgabe des Zorn’schen Grenzsteinbuches und legte durch eine reiche Bücherschenkung (mehr als 800 Bücher!) den Grundstock für die Bücherei des 1920 gegründeten Hofheimer Volksbildungsvereins. Der Tod von Dr. Blank im Jahre 1936 und die schwierige Zeit danach brachten sowohl die Arbeit der „Ortsgruppe Hofheim“ als auch die archäologischen Forschungen auf dem Hochfeld für fast 20 Jahre zum Erliegen.

Nach 1945 ging aus der „Ortsgruppe Hofheim“ die „Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde“ hervor. Erst im Jahre 1956 konnte unter einem neuen Namen als Nachfolgeverein all dieser Vorgänger der „GAV“, „Geschichts- und Altertumsverein Hofheim am Taunus und Umgegend“ gegründet werden (der Zusatz „und Umgegend“ wurde später gestrichen). Zu den Gründungsmitgliedern zählten u.a. der Heimatforscher und Hobbyarchäologe Franz Maria Staab und der Heimatforscher Hermann Jughenn, die beide schon in den Vorgängervereinen aktiv gewesen waren, sowie Bürgermeister Werner Schwichtenberg.

Der Geschichts- und Altertumsverein Hofheim erwuchs somit aus vielen Wurzeln! Die Turbulenzen des vergangenen Jahrhunderts, die damit verbundenen Um- und Neugründungen und die teilweise unzureichende Dokumentation brachten es mit sich, dass das Jahr 1900 zum Referenzdatum für spätere Jubiläumsfeiern erklärt wurde.

Unter der Leitung von Werner Schwichtenberg (als Bürgermeister in Hofheim von 1953 bis 1973 im Amt) und Dr. Hanns Großmann (Jurist und Lokalpolitiker), der von 1963 bis 1995 als 2. Vorsitzender Mitverantwortung für die Geschicke des Vereins trug, wurden mit großem Elan neue Ziele in Angriff genommen: Hermann Jughenn verfasste 1962 und 1964 zwei Hefte der „Hofheimer Chronik“. Sie enthielten eine Fülle neuer Details zu archäologischen Forschungsergebnissen, zu alten Flurnamen, historischen Gerichtsbüchern und wichtigen Persönlichkeiten. 1975, 1977 und 1978 konnte der GAV weitere drei Hefte unter dem Sammelbegriff „Beiträge zur Hofheimer Geschichte“ herausgeben: „Vorgeschichte Hofheims“, „Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus“ und „Das Hochfeld bei Hofheim am Taunus“. Rolf Kubon, Günter Rühl und Hans-Günter Rühl, auch sie engagierte Heimatforscher, knüpften damit an die Arbeit des 1967 verstorbenen Hermann Jughenn an. Sie folgten den Spuren von der Steinzeit über die nachrömische Zeit bis zur Gegenwart, wobei die Beschreibung des „Historischen Rundweges“ auf dem Kapellenberg ein wichtiges und nützliches Kapitel darstellt.

Gleichzeitig erfolgte aber auch eine „Horizonterweiterung“: Studienreisen nach Frankreich aufgrund der Partnerschaft mit Chinon und nach 1989 in die neuen Bundesländer waren ein wesentlicher Schwerpunkt, aber auch viele andere europäische Länder wurden bereist. Die Besonderheit dieser Fahrten bestand in der Regel darin, dass engagierte Mitglieder des Vereins die Reisen organisierten, bis ins Detail planten und überdies die Mitreisenden mit allen wissenswerten Fakten versorgten. Auf zahlreichen Tagesexkursionen wurden auch Ziele im erreichbaren Umkreis angesteuert – sehr oft im Zusammenhang mit Ausstellungen. Ebenso wichtig waren auch Vorträge über Themen aus allen Bereichen der Geschichte.

Von 1995 bis 2011 war Frau Erika Großmann gemeinsam mit Herrn Uwe Cramer M.A. dafür verantwortlich, dass der Verein im Geiste seiner Vorgänger weitergeführt wurde. Ein kleines Team engagierter Mitglieder hatte hierbei, wie in all den Jahren zuvor, entscheidenden Anteil. Für Reisen ins Ausland wurde jedoch auch auf die professionelle Hilfe externer Veranstalter zurückgegriffen. Dass sowohl das breite Spektrum als auch das Niveau der Angebote weiterhin aufrechterhalten werden kann, ist das Ziel der aktuell Verantwortlichen im Geschichts- und Altertumsverein Hofheim.